Wachstum in der Optik-Industrie

Die Produktion optischer Linsensysteme läuft auf vollen Touren. Darüber berichtet Berndt Zingrebe, Geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Sill Optics GmbH, Wendelstein, in einem Interview mit LASER-Chefredakteur Wolfgang Klinker.

Herr Zingrebe, vor einem Jahr sprachen wir über die VISION als Gradmesser für die Einschätzung der wirtschaftlichen Situation. Welche Eindrücke haben Sie von der VISION 2011 mitgenommen?
Zingrebe: Unser Unternehmen war bei der VISION 2011 wiederum Aussteller, und wir haben in diesem Jahr weitaus mehr Besucher an unserem Stand registriert, als im vergleichsweise guten Vorjahr. Die Gesamtsituation der Messe würde ich als hervorragend einschätzen. Auf unserem Stand im Eingangsbereich der Halle 4 war bereits kurz nach Messebeginn richtig viel zu tun. Wir hatten auch Gelegenheit, unsere Bestandskunden an deren Messeständen zu sprechen und haben dabei festgestellt, dass viele Aufträge, die sich vor der Messe schon abzeichneten, nunmehr konkret sind.

Mit der »Medical Discovery Tour« hat der Messeveranstalter einen neuen Schwerpunkt gesetzt. Helfen solche Themen einer Messe weiter, die doch sehr stark auf die Industrie und deren Anwendungen fokussiert war?
Zingrebe: Für Sill Optics gibt es bislang noch keine Berührungspunkte mit diesem Schwerpunkt, und auch unsere Kunden haben ebenfalls bislang noch keine Aktivitäten in Richtung Medizintechnik gezeigt.

Nun wurde gerade in diesem Jahr der Vision Award an das österreichische Institut AIT verliehen für eine Optikentwicklung, die in der Zahnmedizin zur präzisen 3D-Modellierung von Zahnersatz verwendet werden kann. Muss sich Ihr Unternehmen jetzt auch auf die Entwicklung und Fertigung von optischen Miniatursystemen einstellen?
Zingrebe: Selbstverständlich sind solche Entwicklungen interessant und führen zu der Überlegung, ob man in diese Bereiche gehen soll. Andererseits sind wir komplett ausgelastet und müssen unsere Betriebsstätte in Wendelstein sowohl vom Raumangebot her als auch hinsichtlich des Maschinenparks erheblich erweitern. Die Entwicklung von Sill Optics erfolgte eigentlich mehr von Großlinsensystemen ausgehend. Wir sind allerdings schon mit der Herstellung von Kleinstlinsen befasst, haben dazu entsprechende Maschinen im Einsatz, und wir bestreiten damit einen interessanten Teil unseres Umsatzes. Wir können heutzutage schon bis – 2,2 im Radius und 3 mm im Durchmesser realisieren. Aber Endoskopie-Optiken sind nicht unser Bereich.

Herr Zingrebe, wir haben zuletzt häufiger einmal nach Asien »gesehen« mit Blickrichtung auf den technologischen und ökonomischen Wettbewerb. Wie schätzen Sie die derzeitige Situation ein?
Zingrebe: Mit dem Blick nach Asien verbinde ich in erster Linie den Bedarf an hochwertigen Schleifmitteln sprich »Seltene Erden«. Diesbezüglich hat es eine enorme Verknappung gegeben, was eine Preissteigerung von etwa 300 % bewirkte. Im Branchenverband Spectaris werden zurzeit Überlegungen angestellt, wie man dieser Situation begegnen kann.

Damit rückt die Umsatzentwicklung Ihres Unternehmens in den Blickpunkt. Wie verläuft denn das aktuelle Wirtschaftsjahr?
Zingrebe: Im Wirtschaftsjahr 2011 haben wir eine hervorragende Entwicklung erlebt, es wird mit einem Umsatz von über 18 Mio. EUR das beste Jahr von Sill Optics überhaupt. Wir haben andererseits aber auch sehr viel investiert in den Erweiterungsbau und in neue CNC-Bearbeitungsmaschinen. Hierbei hat das Umsatzwachstum in diesem Jahr dazu beigetragen, die Investitionen auf gesunde Füße zu stellen.

Welche Vorteile erwarten Sie?
Zingrebe: Der Erweiterungsbau umfasst eine zusätzliche Nutzfläche von 1.700 m². Im Detail werden wir in einer großen Halle unsere Drehmaschinen aufstellen. Ferner werden wir im Erweiterungsbau die neuen CNC-Maschinen zur Bearbeitung von Asphärenoptiken mit der amerikanischen QED-Technologie aufstellen. Des Weiteren werden wir dort ein neues Personalzentrum einrichten. Der Erweiterungsbau soll im kommenden Sommer bezogen werden.

Welche F&E-Aktivitäten sind derzeit bei Sill Optics relevant?
Zingrebe: Sill Optics ist dabei, sich an verschiedenen, europaweit ausgeschriebenen Forschungsprojekten zu beteiligen und in Verbünden mitzuarbeiten. Wir haben mit Frau Dr. Annette Walter eine Projektmanagerin, die unsere Interessen und Aktivitäten koordiniert und mit den jeweiligen Projektpartnern abstimmt.

Nun hat Sill Optics in der Vergangenheit bereits interessante Systementwicklungen für die Laserbranche gemacht, beispielsweise war man beteiligt an der Realisierung der wasserstrahlgeführten Bearbeitungsoptik. Gibt es derzeit ähnliche Projekte?
Zingrebe: Wir sind zurzeit damit beschäftigt, die wasserstrahlgeführte Bearbeitungsoptik kleiner zu machen. Ziel ist dabei die Reduzierung mechanischer Einflussgrößen. Das bedeutet für uns, dass wir für die Module kleinere Optiken entwickeln müssen, um eine bessere Effizienz des Laserstrahls zu ermöglichen.

Herr Zingrebe, Sie erwähnten die Anschaffung spezieller CNC-Maschinen für die Bearbeitung von Asphärenoptiken. Verlangen Ihre Kunden, dass Sill Optics in solche Maschinen investiert?
Zingrebe: Sill Optics ist ein sehr bekannter OEM-Hersteller. Wenn unsere Kunden uns mit bestimmten Targets beauftragen, dann müssen wir auch klarstellen, ob wir das realisieren können oder nicht. Wir beliefern ja auch nicht nur einen Kunden. Des Weiteren kommt hinzu, dass sich zwar die asphärischen Optiken allesamt unterscheiden, dass aber die Kompetenz unseres Unternehmens hinsichtlich der Bearbeitung von Asphärenoptiken bleibt. Und dann ist die Anschaffung spezieller CNC-Maschinen absolut berechtigt. Wir haben uns immerhin auf unsere Fahnen geschrieben, dass wir Präzisionsasphären
realisieren.

Über die Positionierung Ihres Unternehmens in der Metropolregion Nürnberg haben wir früher schon mal gesprochen. Nun ist es ja erforderlich, bei der Spezialisierung in der optischen Industrie genügend Fachkräfte für sämtliche Unternehmensbereiche zu finden. Ist das so einfach möglich?
Zingrebe: Unser Unternehmen hat sich traditionell in der beruflichen Erstausbildung engagiert, wir beschäftigen zurzeit 22 Auszubildende. Die Ingenieure, die wir benötigen, kommen von verschiedenen Hochschulen der Region, z. B. aus Deggendorf. Die Physiker studieren beispielsweise in Würzburg oder Regensburg. Wenn es um Projekt- oder Diplomarbeiten geht, arbeiten wir mit den FHs der Region zusammen.

Herr Zingrebe, vielen Dank für das Gespräch!

Zeitschrift LASER 04/2011


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